Radein-Seminar - Geschichte


Im Februar 1967 fanden sich Professor Dr. K. PAUL HENSEL, Direktor der Forschungsstelle zum Vergleich wirtschaftlicher Lenkungssysteme, und Professor Dr. INGOMAR BOG, Direktor des Seminars für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Philipps-Universität Marburg, mit ihren Schülern in Roßmoos/Alpach in Tirol zusammen, um eine Woche lang neue Erkenntnisse und Betrachtungsweisen der theoretischen wie der historischen Sozialökonomik zu erörtern.

Die Teilnehmer dieses Seminars waren so begeistert über diese Möglichkeit des Erkenntnisaustauschs, daß der Wunsch bestand, sich im kommenden Jahr wieder in einer Atmosphäre zu versammeln, die es zuließ, die Distanz des universitären Alltags zwischen Lehrern und Schülern aufzuheben und die Grenzen des eigenen Faches zu überschreiten.

Ein glücklicher Zufall führte K. PAUL HENSEL nach Radein in Südtirol. Die Abgeschiedenheit dieses kleinen Bergdorfes, das damals noch durch keine Straße mit der Umwelt verbunden war, erschien ihm als ideale Voraussetzung zur Fortführung des Seminars. Hier stellt sich nun seit 1968 Jahr für Jahr jenes geistige Klima ein, das Teilnehmer aus verschiedenen Ländern, Wissenschaftler zahlreicher Universitäten, unterschiedlicher Fachrichtungen und Interessen, Alte und Junge in jedem Frühjahr zu einem zehntägigen Klausuraufenthalt zusammenführt und zu freimütigem Diskurs herausfordert.

Erkenntnisgegenstand der Diskussionen, an denen sich neben Wirtschaftswissenschaftlern auch Wirtschaftshistoriker und Juristen, die von Anfang an oder doch bald zum Kreise der »Radeiner« gehörten, beteiligten, war K. PAUL HENSELs Lebenswerk: der Vergleich von Wirtschafts- und Gesellschaftssystemen. Dieses Gebiet war weit genug, um die Arbeit vieler Jahre zu motivieren und Erkenntnisinteressen Raum zu gewähren, die über die Fachgrenzen hinausführten.

Nach und nach verstreuten sich die Schüler der Seminargründer als Professoren und Praktiker über die Bundesrepublik und führten dem Seminar aus ihrem Kollegen- und Mitarbeiterkreis neue Teilnehmer zu. Die jährlichen Tagungen versammeln inzwischen bis zu 50 Wissenschaftler und Praktiker aus mehreren Nationen in Radein.

Teilnehmer sind zum einen die in der Seminartradition HENSELs und BOGs stehenden Professoren und ihre Mitarbeiter, zum anderen ein je nach Thema wechselnder Kreis von Experten aus dem In- und Ausland, darunter nicht nur Wissenschaftler aus Universitäten und Forschungsinstituten, sondern auch sachkundige Praktiker aus Politik, Wirtschaft und Verbänden.